Es ist eine seltsame Welt, in die wir in den letzten Wochen eingetaucht sind. Das Coronavirus fegt über den Globus und schafft Chaos. Es ist eine beunruhigende Zeit, sowohl auf persönlicher als auch auf geschäftlicher Ebene.

Jeder versucht auf seine Weise, sich der neuen Situation anzupassen. Und eine interessante Dimension ist die erzwungene Situation, zu hinterfragen, ob wir wirklich jeden Tag an einen klassischen Arbeitsplatz, “ins Büro”, gehen müssen, um unseren Job zu machen.

Das Konzept des ortunabhängigen Arbeitens, vor allem in der Form des Home-Offices, gibt es schon seit langem, in vielen Firmen auch schon aktiv gelebt. Trotzdem haben sich die Klischees von „Arbeiten im Schlafanzug und nebenbei Netflix konsumieren“ in manchen Köpfen festgesetzt. Diese Krise kann jetzt helfen dieses negative Klischee zu überwinden!

Für einige Menschen und Unternehmen ist das ortsunabhängige Arbeiten bereits völlig normal.

Ein bekanntes Beispiel aus dem Produktmanagement-Sektor ist das Unternehmen Aha! – Anbieter von Software-Lösungen für Produktmanager. Der CEO, Brian de Haaf, ist ein großer Fürsprecher für die Vorteile eines Remote-Teams und hat schon so einiges darüber geschrieben.

Ich kann selbst ein paar Geschichten dazu erzählen, wie sich Produktmanager mit dieser Situation arrangieren können, denn die letzten 11 Jahre, die ich im Produktmanagement arbeitete, war ich quasi ein “Produktmanager aus dem Home-Office”.

Wie ich begann, „Remote“ zu arbeiten

Im Jahr 2009 startete meine Zeit als Produktmanager aus dem Home-Office. Es ist kein echter Vergleich zu heute, aber es war schon damals eine seltsame Arbeitssituation. Das Unternehmen, für das ich arbeitete, war gerade erst übernommen worden, und innerhalb von drei Monaten wurde aus mir ein frischgebackener Produktmanager. Das alleine ist nicht unüblich.
Das Absurde an der Situation war, dass ich nun Teil eines globalen Produktteams war, das nichts mit den Menschen zu tun hatte, die um mich herumsaßen. Ich fuhr jeden Tag zwei Stunden in ein Büro, um dort allein zu sitzen und hauptsächlich mit Menschen zu sprechen, die tausende Kilometer entfernt saßen.

Ich rief also etwas nervös meinen Chef in den USA an und fragte: “Stört es Dich, wenn ich von zu Hause aus arbeite?“ Er lachte und sagte: “Ich bin die einzige Person mit Sitz in San Diego, und mein Chef ist einer von nur zweien mit Sitz in Detroit. „Was glaubst Du, wie wir arbeiten?”
Und so kam das; ich war plötzlich offiziell „Remote Worker“. Ich hatte mir keinen echten Plan gemacht, wie das aussehen sollte, aber ich dachte mir, dass ich es Schritt für Schritt herausfinden würde.

Der neue Standard?

Es funktionierte überraschend gut. Ich hatte bereits ein Arbeitszimmer, das sich als Home-Office eignete. Mit etwas zusätzlicher Ausstattung (Monitor & Docking-Station, ein gutes Mauspad) fiel das Arbeiten von zu Hause dann auch ziemlich leicht.

Und seitdem arbeite ich „Remote“ und habe in dieser Zeit „aus der Ferne“ Produktmanagement-Teams aufgebaut und geleitet. Viele der produktivsten Menschen mit denen ich arbeiten durfte, arbeiten ebenfalls aus dem Home-Office. Sie wissen, wann und wie sie interagieren und kommunizieren müssen. Sie wissen auch, wann und wie man die Aufgaben priorisiert und die Tage strukturiert.

Letzte Woche tauschte ich mit einem meiner früheren Chefs ein paar Nachrichten aus. Er teilte mir mit, dass in seinem Unternehmen jetzt vollständig aus dem Home Office gearbeitet wird. Ich musste lachen, da er sich lange gegen Home-Office-Konzepte gesträubt hatte. Es bedurfte einer großen globalen Krise, um ihn aus dieser angestaubten Arbeitsweise herauszuholen.

Die große Frage ist also, werden wir jemals zurückgehen wollen, oder wird dies der Beginn einer signifikanten Veränderung sein, wie viele Unternehmen längerfristig arbeiten?

Ratschläge für Führungskräfte – Teamführung aus der Ferne

Als jemand, der verteilte Teams geleitet hat, hier mein wichtigster Rat: die Grundlage für gute Teamführung ist Vertrauen und Flexibilität.

1. Bauen Sie die Vertrauensbasis auf und aus

In den letzten Jahren ist in der Produktwelt die Erkenntnis gewachsen, dass Arbeitsergebnisse wichtiger sind als der Umfang der Arbeit (“Outcome over Output”), aber sie hat nicht alle erreicht. Es ist zu einfach, den Umfang der geleisteten Arbeit als Maßstab dafür zu nehmen, was gute Arbeit ist. Melissa Perri hat das in ihrem Buch „Raus aus der Feature-Falle“ sehr gut thematisiert.

Ein Symptom für diese veraltete Denkweise ist „Präsentismus“. Hierbei denken die Mitarbeiter, dass sie am Arbeitsplatz gesehen werden müssen um als wertvoll wahrgenommen werden. In der Regel sinkt aber die Produktivität je stärker dieser Gedanke verankert ist und mit jeder “drangehängten” Stunde – der Fokus liegt zu stark auf Zeit und Sichtbarkeit als auf den Arbeitsergebnissen.

Der Maßstab der Anwesenheit und Sichtbarkeit ist nicht zeitgemäß und mit verteilten Teams auch nicht umsetzbar.

Manche Firmen und Führungskräfte versuchen, sich mit Proxies zu helfen, z.B zu überprüfen, wann Mitarbeiter sich einloggen und auf ihren Computern aktiv sind. Widerstehen Sie diesem Drang. Vertrauen Sie Ihrem Team und legen Sie gemeinsam Ziele fest, die sich positiv auf das Geschäft auswirken, unabhängig von der dafür benötigten Zeit.
Mir war egal, wenn mein Team nur 10 Stunden in der Woche arbeitete, solange es eben Ergebnisse lieferte!

2. Flexibilität ermöglichen und einen Rahmen setzen

Sie müssen verstehen und definieren, was das Team erreichen muss und wie der grundlegende „Betriebsmodus“ in dieser Zeit ist. Dann kommunizieren Sie beides klar und deutlich.

Meiner Erfahrung nach werden viele Kollegen ihre Arbeitszeit strecken und vielleicht zu anderen Tageszeiten arbeiten, die besser zu ihnen und ihrer Produktivität passen. Vielleicht machen sie jetzt mittags Sport, und nicht mehr morgens vor dem Weg ins Büro.

Vielleicht sollten Sie gewisse Kernzeiten in Betracht ziehen, die die Zusammenarbeit erleichtern, aber darüber hinaus flexibel sein, damit die Menschen das finden können, was für sie am besten funktioniert.

Definieren Sie mit dem Team, wie die Menschen kommunizieren sollen. Es stehen uns allen heute viele Kommunikationstools und -kanäle zur Verfügung: Telefon, Chat, Slack, E-Mail, Video, WhatsApp, etc. Die Liste wächst jeden Tag.

Beim Wechsel zur Fernarbeit kann die Versuchung groß sein, weitere Kanäle hinzuzufügen und klassische Kanäle über den Haufen zu werfen. Aber wenn jeder etwas anderes versucht, werden die Informationen fragmentiert und es kostet zusätzlichen Aufwand, sie wieder zusammenzuführen und alle auf einen Stand zu bringen. Definieren Sie die Werkzeuge, die Sie verwenden werden und wie. Ist es Telefon, wenn Sie jetzt eine schnelle Antwort benötigen? Ist es Chat, wenn Sie in den nächsten 30 Minuten bis zu einer Stunde etwas wollen, aber nicht dringend? Ist E-Mail das Medium für 1-2 Tagen Antwortszeit? (Psst, so habe ich es mit meinen Teams definiert.)

3. Nutzen Sie sich bietende Gelegenheiten

Die Verlangsamung des “normalen” Geschäfts (zumindest für einen Großteil der Betriebe) bietet eine Chance, nachzudenken, neu zu denken und in die Zukunft zu investieren. Setzen Sie sich das Ziel, gestärkt aus der Situation hervorzugehen. Nehmen Sie sich etwas Zeit, um zu planen, wie Sie das erreichen wollen. Vielleicht sind Wettbewerber noch härter getroffen – passen Sie ihre Strategie an. Gibt es Kundensegmente, die weniger betroffen sind – fokussieren Sie Ihre Anstrengungen auf diese Kunden. Gibt es bestimmte Produkte oder Kanäle (digitale Produkte, Online-Kanäle), die jetzt besser funktionieren – schärfen Sie die Proposition und nutzen Sie ihren möglichen Vorteil!

Eine weitere Möglichkeit ist, in die Ausbildung und Entwicklung Ihres Teams zu investieren. Bei Product Focus bieten wir unsere beliebten Präsenzkurse jetzt in der interaktiven Online-Variante an. Auch ein Produktmanagement-Audit zur Bestandsaufnahme und Neuausrichtung kann ein Ansatz sein.

4. Nehmen Sie sich Zeit für die Individuen

Vergessen Sie nicht die „1-to-1s“, also Einzelgespräche, denn auch wenn es nicht jeder zeigt, der Stresslevel ist höher als sonst und so sollten Sie Raum für persönliche Gespräche schaffen, in denen Sie auf individuelle Fragen und Unsicherheiten eingehen können.

Sie müssen im Bilde sein, wie es den Menschen geht, und ihnen zur Seite stehen. Die persönliche Verbindung und das Wissen, dass Sie da sind, dass Sie zuhören werden, auch wenn Sie nichts ändern können, wird vielen Menschen helfen.

Reden Sie nicht nur über Arbeitsthemen. Sprechen Sie darüber, wie es dem Mitarbeiter geht, über ihre Sorgen, ihre Familien, über alles, was ihnen Zuversicht geben kann und um zu zeigen, dass Sie sich um sie kümmern. Jetzt ist die Möglichkeit, eine noch nachhaltigere Beziehung zu den Mitarbeitern aufzubauen, eine bessere Grundlage für die Zusammenarbeit und den Erfolg.

5. Die Mitarbeiter befähigen

Es wird kein reibungsloser Übergang für alle Ihre Teammitglieder sein. Und es wird nicht immer einfach sein, die Dinge für alle Seiten reibungslos zu gestalten. Dazu gehört nicht zuletzt, die richtige Technologie einzusetzen.

Als Führungskraft ist es Ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Hindernisse und Blocker, auf die das Team stößt, schnell und reibungslos bewältigt werden. Je mehr Sie Ihrem Team diesen Ärger nehmen, desto effektiver wird es in dieser neuen Umgebung arbeiten, was sich letztlich in Ihrem Erfolg niederschlägt.

Diese Zeit ist für Führungskräfte nicht einfach, aber es gibt Unterstützung, die Sie sich holen können. Auch wir bieten ein Mentoring für Product Leader an, bei dem wir Ihnen mit Tipps, Ideen und Erfahrungen unter die Arme greifen können.

Ratschläge für Produktmanager –

Wer schon einmal länger aus dem Home-Office gearbeitet hat, weiß, wie schnell einen das Gefühl beschleichen kann, den Anschluss zu verlieren. Nutzen Sie also jede Möglichkeit, eine virtuelle Gemeinschaft mit ihrem Produkt-Team und anderen engen Kollegen aufzubauen. Legen Sie sich einige positive Gewohnheiten zu, die Ihnen helfen, motiviert und mit der richtigen Einstellung in den Tag zu starten.

Als Menschen ist das Bedürfnis nach persönlicher Interaktion von Gesicht zu Gesicht ein wichtiger Teil unseres internen Betriebssystems. Das gilt sogar für introvertierte Menschen wie mich! Ohne menschlichen Kontakt werden Sie wahnsinnig werden, vielleicht sogar buchstäblich! Die meisten von uns arbeiten in einem Team, also verlieren Sie das nicht aus den Augen, wenn Sie aus der Ferne arbeiten; das Team ist immer noch da, auch wenn Sie es nicht ständig sehen können.

1. Arbeiten Sie daran, in Kontakt zu bleiben

Denken Sie daran, dass Sie nicht allein sind; Sie sind Teil eines Teams, Teil einer Gemeinschaft. Kümmern Sie sich um einander. Es ist nicht nur die Aufgabe der Führungskraft, sich um das Team zu kümmern; es ist die Verantwortung eines jeden, sich gegenseitig zu unterstützen.

Fragen Sie andere Menschen, was sie tun. Fragen Sie, was für sie besonders gut funktioniert. Zeigen Sie Ihre Fürsorge, widmen Sie bei Anrufen etwas Zeit für die kleinen Gespräche, die Sie im Büro geführt hätten. Es ist in Ordnung, wenn es nicht immer nur ums Geschäft oder um die Arbeit geht!

Vergessen Sie nicht, dass Sie ein Telefon haben. Die Stimme ist so viel stärker als eine Nachricht in einem Messenger-Programm. Rufen Sie sich gegenseitig an. Besser noch: Verwenden Sie Video. Ich kenne einige verteilte Teams, die das Video den ganzen Tag laufen lassen, um das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu vermitteln.

2. Regelmäßig Zeit für Abstimmung finden

Regelmäßige Abstimmungen sind unverzichtbar; Sie müssen mit dem Rest des Teams synchronisiert bleiben. Verlassen Sie sich nicht auf die Aktualisierung der Daten in Ihren Tools. Sprechen Sie miteinander.

Ich habe mir dazu eine Vorgehensweise aus der agilen Welt zu eigen gemacht: das Stand-Up-Meeting. Jeden Tag „traf“ ich mich mit meinem Team zu einem kurzen Check. Dabei ging es um drei einfache Punkte:

  1. Was ist gestern passiert, dass wir wissen müssen? (Hinweis: nicht einfach nur Meetings auflisten)
  2. Was ist unser heutiger Schwerpunkt? (Auch hier keine Liste von Meetings, sondern die Dinge, die Sie erreichen wollen)
  3. Welche Hilfe benötigen Sie oder haben Sie Showstopper? (nicht versuchen, die Probleme während des Calls zu lösen)

Diese einfache Struktur ist auch remote ideal, um sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten. Wir nutzten dafür die ersten 15 Minuten eines jeden Tages. Natürlich muss man bei Teams, die in mehreren Zeitzonen arbeiten, die Dinge vielleicht etwas anders planen, aber wenn das der Fall ist, sind Sie wahrscheinlich solche regelmäßigen Abstimmungen schon gewöhnt.

3. Unterstützen Sie sich gegenseitig

Wir schlossen an die tägliche Stand-Up-Sitzung stets “Bürozeiten” an, ein einfaches 45-Minuten-Zeitfenster, das das gesamte Team freihielt. Dies war die Zeit, um alle dringenden Probleme anzupacken. Wenn es keine Themen gab, blieb einem auch Zeit, echte Arbeit zu erledigen! Dabei lag es nicht immer an mir als Teamleiter, die Probleme an dieser Stelle zu lösen; oft ging es darum, zwei oder drei Mitglieder des Teams dazu zu bringen, zusammenzuarbeiten, um die Probleme selbst zu lösen.

Sich gegenseitig zu helfen, sollte auch nicht nur auf diese Zeitspanne beschränkt sein. Die Möglichkeit, eine Anfrage an Systeme wie Teams oder Slack zu richten und das Team nach seiner Meinung zu fragen, wie man es im ganzen Büro tun würde, sollte nicht verschwinden. Nur weil jemand nicht vor Ihnen sitzt, heißt das nicht, dass Sie ihn nicht kontaktieren können. Die Leute vergessen, dass sie einfach die Hand ausstrecken können, um dasselbe zu fragen. Sie bleiben in ihrem Kopf stecken. Brechen Sie aus Ihrem aus!

So geht es nicht.

4. Eine tägliche Routine ist eine gute Grundlage

Entwickeln Sie eine Routine und halten Sie sie ein. Es mag nicht die klassische 9-5-Routine sein, aber es sollte ein einfaches und wiederholbares Muster sein. Die Leute müssen wissen, wann Sie verfügbar sind, und die notwendige Disziplin wird Ihnen auch dabei helfen, produktiver zu sein. Das bedeutet auch, dass Sie sich einige Grenzen setzen müssen; überprüfen Sie Ihre E-Mails nicht 24 Stunden am Tag und arbeiten Sie nicht bis in die frühen Morgenstunden weiter, nur weil Sie nicht vom Sofa aufgestanden sind.

Vergessen Sie nicht, Pausen zu machen. Gehen Sie vom Computer weg, um einen Kaffee zu holen oder zum Mittagessen zu gehen. Vielleicht ist es auch an der Zeit, dem Netflix-Drang zu frönen, aber bitte nur eine Episode! Die Art und Weise, wie Sie arbeiten, muss mehr als nur ein paar Tage lang tragbar sein. Viele Leute müssen sich auf viele Monate dieses neuen Arbeitens einstellen. In der ersten Woche wird es sich neu anfühlen, und wenn Sie es nicht richtig angehen, werden Sie die Wände hochgehen!

5. Professionell bleiben

Sie befinden sich in Ihrer häuslichen Umgebung; Sie werden versucht sein, sich nicht anzuziehen oder den Fernseher anzuschalten. Denken Sie daran, Sie sind bei der Arbeit. Verhalten Sie sich also auch so! Bleiben Sie professionell. Ziehen Sie Ihre Arbeitskleidung an. Spielen Sie vielleicht etwas Musik; ich finde, dass Musik eine großartige Möglichkeit ist, die Versuchungen durch andere, eher ablenkende Dinge zu mindern.

6. Sich Zeit nehmen auch mal die Gedanken zu sammeln

Eine Routine zu haben ist wohl eine gute Grundlage dafür, aber nicht ausreichend. Man braucht auch die richtige Denkweise. Die meisten Menschen müssen in irgendeiner Form in ein Büro pendeln. Die Vorteile, die sich daraus geistig ergeben, dürfen nicht unterschätzt werden. Ob Sie sich dessen bewusst sind oder nicht, Sie gehen geistig von “zu Hause” zur “Arbeit” und wieder zurück.

Ich für meinen Teil dusche jeden Morgen länger, bevor ich meine “Uniform” anziehe und in mein Büro gehe. Manchmal spiele ich danach eine für diesen Zweck erstellte „Hochfahr“-Playlist ab. Andere durchlaufen lieber ein kurzes sportliches Morgenprogramm. Es könnte aber auch einfach die Tasse Kaffee sein, die Sie an Ihrem Schreibtisch trinken und währenddessen 10 Minuten lang Ihren LinkedIn-Feed lesen. Finden Sie heraus, was für Sie funktioniert, um diesen mentalen Wechsel zu vollziehen, und verwenden Sie ihn jeden Tag, sowohl am Anfang als auch am Ende.

7. Sich einen Arbeitsbereich einrichten

Richten Sie sich einen Arbeitsbereich ein. Sitzen Sie nicht nur auf dem Sofa, wenn Sie es vermeiden können. Wenn Sie kein Home-Office haben, dann ist der Esstisch wahrscheinlich die beste Option. Er ähnelt eher dem Schreibtisch, an den Sie gewöhnt sind.

Halten Sie den Bereich frei. Wenn Sie am Ende von Häufen von Wäsche oder leeren Kaffeetassen umgeben sind, werden Sie weniger produktiv sein. Das wird Sie ablenken. Behandeln Sie Ihren neuen Arbeitsbereich wie Ihren Arbeitsplatz im Büro.

Nehmen Sie sich auch produktive Auszeiten von der Arbeit am Laptop. Arbeiten Sie offline. Ich habe in meinem Büro zu Hause ein größeres Whiteboard, so wie man es aus den meisten Besprechungsräumen kennt. Es ist ein wichtiger Teil meiner Arbeitsweise, weil es mir ermöglicht, dem „digitalen Lärm“ für eine Weile auszublenden. Vielleicht haben Sie das nicht – aber ich wette, Sie haben ein paar Papierblöcke. Benutzen Sie sie, um konzentriert arbeiten zu können. Analoge Techniken können hier sehr wirkungsvoll sein.

8. Strategische Themen priorisieren

Die unmittelbare Zukunft liegt für die allermeisten von uns außerhalb unserer Einflusssphäre.  Regierungen setzen uns enge Grenzen. Die Wirtschaft ist ins Trudeln geraten, da die Kunden den finanziellen Gürtel enger schnallen, um den Sturm zu überstehen. Aber das wird nicht ewig so bleiben.

Selbstverständlich können Sie sich aber auf den Moment vorbereiten, an dem die Dinge vorbei sind oder sich zumindest verbessern. Sie können sicherstellen, dass Sie gestärkt daraus hervorgehen. Verbringen Sie Zeit mit der Planung. Ihren Kunden passiert genau das Gleiche wie Ihnen. Und seltsamerweise sind sie jetzt wahrscheinlich eher für Sie erreichbar als sonst. Sie werden es nur nicht mehr von Angesicht zu Angesicht tun können. Warum nicht möglichst viele Videoanrufe mit Interessenten, Kunden oder Vertrieblern organisieren um Einblicke für Ihr Produkt zu sammeln und sicherzustellen, dass es gestärkt in den Startlöchern steht, wenn die Krise wieder abebbt?

Investieren Sie auch in Ihre persönliche Entwicklung. Machen Sie jetzt den Online-Kurs, den Sie schon lange geplant haben. Lesen Sie die Bücher in Ihrem Bücherregal. Füttern Sie Ihren Geist mit dem Wissen, das Sie brauchen, um in Zukunft noch besser aufgestellt zu sein. Hier sind einige Lesetipps.

 

Ash cloud

Die Aschewolke des Eyjafjallajökull Vulkans in Island

Die Dinge kommen wie sie kommen, machen Sie das Beste draus

COVID-19 ist nicht die erste Krise, und es wird auch nicht die letzte sein. Medizinisch gesehen gab es in den letzten 20 Jahren SARS, MERS, H1N1 und Ebola. Es gab die Finanzkrise von 2008/9. Die Dotcom-Blase, die Ende der 1990er Jahre platzte. Sie alle hatten heftige Auswirkungen, aber inzwischen sind sie auch alle vorbei.

Einige von Ihnen erinnern sich vielleicht an die isländische Aschewolke im Jahr 2010. Ich war einer der unglücklichen Menschen, die weit weg von zu Hause festsaßen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich war nicht einfach nur auf dem europäischen Festland und kämpfte um die Rückkehr nach Großbritannien (wo ein Mietwagen eine Option gewesen wäre). Ich saß in Singapur fest.

Damals wurde viel darüber gesprochen, dass die Menschen Urlaub nehmen müssten oder einfach nicht bezahlt würden. Es gab tatsächlich Leute, die ich kenne, denen eine Kombination aus beidem zugemutet wurde. Ich habe die Situation aber ganz gut gemeistert. Ich wollte mich nicht durch die Situation ausbremsen lassen. Ich habe weitergearbeitet und viele Dinge erledigt, obwohl ich auf der anderen Seite der Welt ohne Laptop war.

Ich hatte meinen Blackberry dabei, und ich wusste, dass unser Unternehmen eine Niederlassung vor Ort hatte, also ging ich hin und loggte mich in die Systeme des Unternehmens ein. Ich konnte meinen Urlaubsrückstand aufholen, mich im Großen und Ganzen auf neue Dinge konzentrieren und einige Fortschritte erzielen. Ich war vielleicht nicht so effizient wie mit meiner kompletten Ausrüstung, aber es war besser, als nichts zu tun.

Anmerkung: aktuell ist es meist nicht möglich, die internationalen Niederlassungen Ihres Unternehmens zu nutzen, da sie wahrscheinlich wie alle anderen geschlossen sind. Die Moral dieser Geschichte ist jedoch, ein wenig kreativ zu werden, flexibel zu sein und Optionen zu finden, wie man die Dinge erledigen kann. Anstatt sich darüber zu beschweren, was schiefläuft, sollten Sie weitermachen und die Dinge zum Laufen bringen.

Scheuen Sie sich nicht, zu experimentieren und von anderen zu lernen.

Alle Ratschläge hier mögen sich so anhören, als sei es ein einfacher Weg zu erfolgreicher Arbeit als „Remote Product Manager“. Das könnte nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein. Es lässt sich im Nachhinein einfach und offensichtlich zusammenfassen, aber in Wirklichkeit gab es auch so einige Schlaglöcher auf dem Weg dorthin. Vieles was ich ausprobierte hat einfach nicht funktioniert. Einige andere Dinge, die ich ausprobiert habe verschlimmbesserten auch die Situation. Man kann nicht genau wissen, was für Sie und Ihr Team funktioniert, bevor man es nicht versucht hat, also haben Sie keine Angst, ein wenig zu experimentieren. Wenn es nicht funktioniert, dann versuchen Sie etwas anderes.

Ich hoffe, ich habe Sie mit einigen Tipps und Tricks ermuntert, die mich weiterbrachten und die Ihnen helfen können, diese Krise in eine Chance zu verwandeln. Ich glaube, dass praktisch alle Ratschläge auch außerhalb der Produktmanagement-Teams anwendbar sind, aber ich hatte sie letztendlich in meiner Funktion als Produktmanager durchlebt, so dass ich sie dort für besonders relevant halte.

Ich bin auch nicht der einzige, der über diesen Bereich schreibt, und als ich ein Stück weit durch war, sah ich Beiträge von anderen Vordenkern aus der Produktmanagement-Welt. Marty Cagan, – gleichwohl ein großer Fan von Face-2-Face hat hier seine Gedanken formuliert (engl). Teresa Torres hat Ihren Standpunkt in “5 Wege, um Ihrem Produktteam zum Erfolg zu verhelfen” (engl.) gepostet. Es gibt eine Menge Ideen – tauchen Sie sie ein und finden Sie raus, was für Sie funktioniert.

Vergessen Sie nicht, dass wir Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen, auch wenn es sich im Moment auf Audio und Video beschränkt.  Kontaktieren Sie uns gerne, wenn Sie an einer Online-Produktmanagementschulung interessiert sind.

Phil Hornby

Product Focus Senior Consultant und unabhängiger Produktmanagement-Berater

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