Produktmanager vs. Projektmanager

Haben Sie schonmal jemandem davon erzählt dass Sie Produktmanager sind und dann von dieser Person gesagt bekommen „Ah, ein Projektmanager also!“

Dieser Fehler ist verständlich, auch ich höre manchmal schlecht. Und dann sind die Wörter auch noch – bis auf zwei Buchstaben – identisch. Und jeder hat doch schonmal von Projektmanagement gehört.

Ob Versehen oder mit Absicht, es verdeutlicht ein Problem, dem wir uns in der Rolle des PM häufig stellen müssen: nicht in die Rolle eines Projektmanagers gedrängt zu werden.

Aufgaben eines Projektmanagers sind nur einer der vielen Hüte die wir uns manchmal aufsetzen müssen, aber es kann leicht passieren, dass man irgendwann nur noch als der Projektmanager wahrgenommen wird.

Warum passiert das immer wieder, und was kann man dagegen unternehmen?

Produktmanager können verschiedenste Rolle annehmen Ob die Rolle des „Hausmeisters“, der den Müll anderer Menschen aufräumt, bis hin zum „Strategen“, der vorgibt was das Unternehmen als nächstes angehen sollte. Und viele unserer Aufgaben drehen sich einfach nur darum, Dinge zu erledigen. So entwickeln wir auch mit der Zeit ziemlich ausgeprägte Projektmanagement-Kompetenzen.

Unser Erfolg wird darin gemessen, wie erfolgreich sich unser Produkt am Markt schlägt, und daher sind wir meist motivierter als andere, sicherzustellen, dass alles nach Plan läuft. So soll es auch sein.

Aber aufgrund dieser Motivation und Fähigkeiten sehen uns die Kollegen meist als die geeignetste Person um Projekte zu unseren Produkten zu steuern.

Der Unterschied zwischen den Zielen von Projekt- und Produktmanagern

Projektmanagement bedeutet: Aktivitäten im Detail zu planen, Verantwortliche auszumachen und zu briefen, Fortschritte zu tracken, den aktuellen Status zu dokumentieren und Stakeholder zu jeder Zeit im Griff zu haben. Das sind alles zeitraubende Aufgaben. Wir können sie übernehmen, aber sie lenken sehr häufig von wichtigeren (aber häufig weniger dringenden) Zuständigkeiten ab, wie z.B. einen sich ständig ändernden Markt zu verstehen, Strategien und Roadmaps zu entwickeln oder sicherzustellen, dass der Vertrieb, die Support-Teams und das Marketing ihren Aufgaben in Bezug auf unser Produkt nachkommen. Diese Zuständigkeiten entscheiden zwischen Erfolg oder Misserfolg und werden nicht durch andere ausgeführt.

Falls Sie also in Projektmanagement-Pflichten feststecken: wie können Sie den Betrieb davon überzeugen, dass Sie Unterstützung beim Projektmanagement benötigen?

Ein zweigleisiger Ansatz kann helfen

Als erstes stellen Sie ein Anforderungsdokument für Projektmanagement-Unterstützung zusammen. Dies sollte den Umfang der Unterstützung klar eingrenzen und ein klares Enddatum oder eine Endbedingung festlegen. Gut anwendbar ist ein dedizierte Projektmanager für die Nachverfolgung der Entwicklungsfortschritte, die Koordinierung eines Launches, die Planung eines Sales-Trainings, einen Produkt-Probelauf im Testmarkt zu organisieren oder ein Produkt vom Markt zu nehmen.

Als zweite Aktivität, stellen Sie zusammen, was ohne die angeforderte Unterstützung alles liegenbleibt. Wenn der Betrieb den „Schmerz“ von verpassten Chancen nicht spürt, wird sich vermutlich auch nichts am Status-Quo ändern. Kommunizieren Sie also klar und deutlich, welche langfristigen Ziele und Erfolge sich verzögern oder gar nicht eintreten, weil Sie zuviel Zeit mit dem Planen, Instruieren, Hinterherrennen, und Zusammenfassen verbringen müssen.

Nicht immer funktioniert das, aber wenn Sie mal wieder für Tage, Wochen oder Monate in Projektmanagementaufgaben stecken, kann Unterstützung im Projektmanagement einen Riesenunterschied für das Verfolgen der eigentliche Ziele machen (und ihre mentale Gesundheit dankt es Ihnen auch).

Andrew Dickenson
Director, Product Focus